Von Sommerloch kann in der Video-Unterhaltung wahrlich keine Rede sein, denn es tut sich viel im Bereich Fernsehen und Online Video. Noch unbestätigt, aber die Gerüchteküche rumort: ProSiebenSat.1 und RTL planen eine Art deutsches Hulu. Die beiden Unternehmen beabsichtigen offenbar, eine Firma zu gründen, die eine solche Plattform technisch betreut. Erste Gespräche mit dem Bundeskartellamt und der EU-Kommission seien bereits geführt worden, heißt es in Medienkreisen. Auf der Plattform sollten dann weitestgehend alle deutschen TV-Sender mit ihren Inhalten vertreten sein.
Das Vorhaben kommt just zur rechten Zeit, denn immer mehr Internetnutzer konsumieren TV Serien und Sendungen via Onlineplattformen. Das internettypische "Snack-TV", also das Betrachten kurzer Videohappen, bekommt also Konkurrenz. Auch YouTube hat sich angepasst und mit "Leanback" ein Feature eingeführt, das die Navigation der Inhalte von der Couch erheblich erleichtert. Und das wurde auch Zeit, denn die europäischen TV-Sendeanstalten stellen immer mehr Inhalte auf YouTube bereit. Die BBC steht dabei, nach Angaben des e-Media Instituts, mit 7100 Titeln und über 200.000 Abonnenten ganz oben. 24 Millionen BBC-Videos werden im Schnitt pro Monat auf YouTube angeguckt (Erfassungszeitraum war April bis July 2010, damit haben sich die Abrufe verglichen zum Zeitraum Dezember bis April mehr als verdoppelt). Die ARD, die über 10.000 Abonnenten ihres YouTube-Kanals zählt, lädt derzeit durchschnittlich 149 Videos pro Monat auf YouTube hoch.
Die Bereitstellung der Langform-Inhalte muss natürlich auch finanziert werden. Neben der klassischen Werbeunterstützung geraten auch Bezahlmodelle ins Visier der Anbieter. Für den US-amerikanischen Markt schätzt das Unternehmen UBS, dass 2012 77 Prozent der Online-Video-Einnahmen aus Paid-Modellen kommen werden und nur 23 Prozent aus werbeunterstützten Formaten.
A propos Werbung: Das US-Start-up Blip.tv hat eine ganz neue Form des Pre-Roll entwickelt, die es den Nutzern erlaubt, ein Spiel auf eine Spielekonsole herunterzuladen. Vorstellbar sind so völlige neue Formen der Werbung, die nicht länger als lästig empfunden werden müssen, sondern greifbaren Nutzen bringen. Neben dem Direktdownload von Spielen, könnte man seinen Videorekorder auch direkt mit der Aufnahme einer Sendung beauftragen oder einen Film direkt herunterladen. Offenbar ist das der nächste Anlauf für die immer wieder totgesagte interaktive Werbung.
Richtig Spaß machen all diese Neuerungen natürlich erst, wenn Internet und TV tatsächlich verschmelzen. Auch hier entwickelt sich der Trend in die richtige Richtung. Für 2010 wird mit einem erneuten Absatzrekord bei den Fernsehgeräten gerechnet: 9 Millionen Stück verkaufte Geräte werden erwartet. Internetverbundene Fernseher sind dabei deutlich auf dem Vormarsch: knapp 2 Millionen Stück sollen Ende des Jahres verkauft sein. Großformatige Flachbildfernseher mit Diagonalen von 37 Zoll sollen zum wichtigsten Produktsegment werden, so die gfu. Darüberhinaus dürften Ende des Jahres 29 Millionen HD-Geräte in deutschen Wohnzimmern stehen.
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